So, das war’s auch schon. Finish. Ende. Finito.
Ich weiß nicht mehr, ob ich seinerzeit wirklich mit großen Ambitionen gestartet bin. Glaubte ich, der deutsche Palahniuk werden zu können? Auch retrospektiv eher unwahrscheinlich. Ich hatte Foren und Websites, ich hatte schon Leserschaft, und ich hatte bereits für Geld geschrieben. Aber so wie ich mich kenne, war bei den Kurzgeschichten eher der Gedanke: „Ich starte jetzt. Ohne Ziel. Ohne Zweck. Aber ich weiß, dass ich das Zeug zum Schreiben habe.“
Vergleich tötet.
Wie wir alle wissen, tötet der Vergleich jedes Gefühl von Glück. Darum ist Social Media auch der technologische Teufel.
In diesem Sinne könnte ich jetzt gen Maine schauen und neidisch auf Stephen King blicken, der über Dekaden mindestens gefühlt jedes Jahr wenigstens zwei Bestseller-Romane herausgebracht hat. Wovon drei viertel wahrscheinlich zur Weltliteratur gehören. Und ein viertel echt gute Enden hatte.
Oder nach Portland zu Chuck Palahniuk, der mir dieses Tor zum Schreiben damals erst eröffnet hatte. Mein liebster Roman von ihm, wer könnte es glauben, ist tatsächlich auch nicht Fight Club, sondern Der Simulant (Choke).
Merkwürdiger Fußballervergleich, weil ich es kann
Aber ich bin ja nicht komplett verblödet. Man kann seinen Lieblingen und Vorbildern nacheifern, ja, aber ein Vergleich entbehrt jedweder Grundlage. Als Kreisklasse-Hobby-Fußballer kann ich auch Messi, Maradona und Müller vergöttern. Ähnliche Sphären zu erreichen, ist vielleicht nicht komplett unmöglich, aber – ungeachtet von Talent – mit so viel Arbeit verbunden, dass Erfolg von so vielen Faktoren abhängt, dass ein Sechser im Lotto geradezu wahrscheinlich wird.
Doch ich glaube, dass auch ein Kreisklasse-Kicker den einen großartigen Moment haben kann, der immerhin an Fußballgrößen erinnert. Ein gutes Dribbling, ein Schuss in den Winkel, eine Monstergrätsche.
Und entsprechend glaube ich, dass in meinem wirklich überschaubarem Fundus an Geschichten – 16 mehr oder weniger fertige Geschichte in vier Jahren – vielleicht an der einen oder anderen Stelle ein Messi-Move enthalten ist, irgendwo ist die Hand Gottes versteckt oder ein Abstauber vom „kleinen Dicken“.
Nicht hadern
Denn ich bin der Überzeugung: Ein paar gute Dinger habe ich geschrieben, die wenigstens als Frühwerke eines Schriftstellers taugen könnten. Nehmen wir beispielsweise Fight Club. Ursprung des späteren Romans war eine Kurzgeschichte, die zu einem großartigen Buch und einem später die Popkultur verändernden Werk ausgebaut wurde. Bei mir wäre es wahrscheinlich die Grenzüberschreitung, die – vielleicht – entsprechendes Potential mitgebracht hätte.
Aber während vermutlich viele Menschen zaudern würden wegen all der vergebenen Möglichkeiten, bin ich anders gestrickt. Ich neide nicht. Und ich bedauere sehr wenig. Alternative Weltgeschichte fasziniert mich ungemein und auch der persönliche Gedanke, was möglich hätte werden können, ist wahrlich interessant. Aber in einer Welt, in der ein Schmetterling am anderen Welt einen Hurrikan auslösen kann, bin ich trotz allem eins: im Großen und Ganzen zufrieden. Es hätte mich bedeutend schlechter treffen können.
Gut gemacht!
Auch wenn ich keine Weltliteratur abgeliefert habe, trotz aller Wortgewandtheit und Sprachfertigkeit ist mangelnde Phantasie das vermeintlich größte Problem gewesen, war ich imstande, knapp 20 Jahre später auf meinen Kram zu schauen und wenigstens für mich persönlich ein wenig Distanz zu wahren, indem ich diese 16 „mad stories“ irgendwo zwischen „peinlich pubertär“, „stets bemüht“ und „ein kleines bisschen großartig“ differenzieren konnte.
Vielleicht hatte dieses Projekt auch wirklich den einen Leser oder die andere Leserin, ich würde mich selbstredend freuen, aber vor allem gilt in der Rückschau für mich: Gut gemacht! Und selbst wenn ich einen anderen Weg als damals veranschlagt gegangen bin: Glaub an das, was Du tust. Die Welt kommt nie voran, wenn man vermeintliche Grenzen nicht überschreitet.
Uns allen und der Welt: alles Gute!
Maddin

